Wer dem präpubertären Spaß des Fußballbildchensammelns auch zur kommenden WM frönen möchte, dabei aber erwachsen genug ist, den Herren Panini / Ferrero kein Geld für gradlinig-langweilige Portraits von den Miroslaw Kloses dieser Welt in den Rachen zu werfen, der möge sich das schweizerische tschutti heftli sammelalbum zulegen.
Ein(e) Designer(in) pro Nationalteam, mit entsprechend variantenreichen Ergebnissen. Deutschland, Frankreich und Südafrika fallen leider ob der Karikaturhaftigkeit der Portraitierten auf. Für besonders gelungen halte ich die Schweiz, Mexiko, Japan und Nordkorea.
Der Malente-Fußballshop scheint Deutschlands Exklusivverkaufsstelle für tschutti heftli und tschutti bildli zu sein. 20 Bilder kosten dort 1,95€. Zehn Prozent des Verkaufspreises gehen an die Viva con Agua-Initiative des FC Sankt Pauli.
Über die Katzenhilfe Münster sind wir an die beiden gekommen. Sie sind jetzt 0,75 Jahre alt. Die Namen hatten sie schon, da können wir nichts für. Eure Katze heißt Oma?
Das ist Uta:
Die halslose Uta war am Anfang deutlich schüchterner als ihre Schwester. In der ersten Woche verschwand sie bei jedem Geräusch hinter dem Sofa; mittlerweile lässt sie sich aber ordnungsgemäß durchkneten. Ihren Lauten nach zu urteilen wäre sie gerne eine Taube.
Das ist Umma:
Umma ist ein Flummi, gefangen im Körper einer Katze. Sie springt höher als Blanka Vlašić und riecht gerne am Toilettenabflussrohr. Außerdem interessiert sie sich für die Google-Websuche:
Da ich es in einem Anfall hochgradiger Idiotie geschafft habe, den Inhalt einer Kaffeetasse über meiner Touristenkamera auszuleeren, war es das zunächst mal mit vorzeigbaren Katzenfotos. Bilder von Ks Kamera werde ich aber bald noch hier einstellen. Bleiben Sie dran!
Ich war in einem Hallenbad und fand die Rutsche nicht, obwohl ich jede Tür öffnete. Sauer wie ich war stieg ich in den Zug, der zum Glück direkt in den Umkleideräumen hielt. Als ich mich setzte lief die Zeit irgendwie rückwärts*, so dass ich erst die Reaktion der Fahrgäste hörte und dann das, worauf sie reagierten: Meine Flucherei.
Die ältere Frau neben mir machte sich die ganze Zeit über Notizen. Dass das Hallenbad keine Rutsche hatte empfand sie als persönliche Beleidigung, doch sie würde die Anklagepunkte gegen mich fallenlassen, wenn ich sie heiraten würde.
Als C., F., R. und ich 13 waren und unserem Alter entsprechend nicht mehr als Blödsinn und Vakuum im Kopf hatten, bezeichneten wir uns gegenseitig gerne und oft als Bauern. Zur Begrüßung (Hey Bauer!), als Ausdruck der Wertschätzung (Krasse Aktion, Bauer!) und natürlich zur Verabschiedung (Ciao Bauer!).
Um unserem Lieblingswort den gebührenden Respekt zu zollen, beschlossen wir gemeinsam in einer ruhigen Minute des Nichtnachdenkens, es an der Toilettenwand der Schule temporär zu verewigen.
Die roten Eddinge hatten wir in weiser Voraussicht schon vorher unserer Gesellschaftslehrelehrerin stibitzt.
Zu viert, mehrere Stufen auf einmal herunterspringend, dabei natürlich laut Bauer skandierend, machten wir uns auf den Weg ins Erdgeschoss, wo sich die Toiletten der Unter- und Mittelstufe befanden.
Unser präzise ausgeklügelter Plan ging perfekt auf: Nur ein harmloser Fünftklässler befand sich mit uns im Raum, als wir nahezu zeitgleich die Kappen von den Stiften entfernten und zu Ehren aller Landwirte begannen die Wand zu beschriften. Du hast nichts gesehen raunten wir dem Fünftklässler zu, als der sich auffällig unauffällig aus den Toilettenräumen verabschiedete.
Das Problem war nur: Er hatte was gesehen.
In der nächsten Pause wurden wir vier Idioten von unserer Klassenlehrerin zum Gespräch gebeten. Kleine Anmerkung zu ihrer Person: Sie wurde in Rumänien geboren, sprach mit entsprechendem Akzent und stark rollendem R. Nachdem wir uns gesetzt hatten, stellte sie uns in aller Ruhe eine einfache Frage: Warum schreibt ihr Bauer an die Wand?
Stille.
Was sollten wir auch sagen? Wir wussten es ja selbst nicht. Keine Ahnung, warum wir Bauer an die Wand schrieben; vielleicht weil… wir es konnten?
Verständlicherweise war sie mit unserem Schweigen nicht zufrieden, aber Profi genug um schnell von der Schuld- zur Bestrafungsfrage zu kommen. Da wir — von der Bauer-Aktion abgesehen — zu diesem Zeitpunkt noch nicht außerordentlich viel Mist gemacht hatten (d.h. nicht bei allen Schandtaten erwischt wurden), beließ sie es bei einer Wiedergutmachung: Wir sollten am anstehenden Elternsprechtag (ausgerechnet!) morgens um acht beim Hausmeister vorsprechen, um uns Reinigungsmittel von ihm zu borgen, um damit die Bauer-Schriftzüge von der Toilettenwand zu entfernen.
Also trafen wir uns am besagten Tag um zehn in der Stadt, um erstmal ein wenig herumzulaufen. Als uns langweilig wurde und wir langsam Richtung Schule trotteten, zog C. ohne Vorwarnung aus der Auslage eines Lottoladens die aktuelle Ausgabe der Bravo Screenfun und rannte davon.
Panisch flüchteten wir alle in verschiedene Richtungen, ich rannte nach Hause und traute mich mehrere Wochen nicht mehr an dem Lottoladen vorbeizugehen.
Am nächsten Schultag wurden wir von der Klassenlehrerin gefragt, ob wir die Schmiererei auf der Toilette entfernt hätten, was wir ja augenscheinlich nicht gemacht haben. Trotzdem bejahten wir ihre Frage, und damit war die Sache auch für sie erledigt.
Rauchend saß ich in der Küche und dachte wie immer an viel Böses, als das Schicksal eine neue Seite im Münster-Drehbuch aufschlug.
Auf einmal war er da. Nassgeregnet saß er auf der Fensterbank, die sonst den Dohlen vorbehalten ist, und bat um Einlass. Sich seiner eigenen Reize durchaus bewusst, drückte er die Pfoten von außen an die Scheibe, maunzte leise, wir MUSSTEN in rein lassen, es war alternativlos.
Er schaute sich um, inspizierte die Wohnung, steckte seine Arme in die Löcher der Badezimmertür und entschied sich dann wie selbstverständlich für ein kleines Schläfchen auf dem roten Teppich. Als ob es nie etwas anderes gegeben hätte.
Eine Stunde später ließen wir ihn wieder hinaus in die Nacht. Das Radio spielte melancholisch-leichte Gitarrenmusik. Hollywood hätte den Moment des Abschieds schmalziger nicht inszenieren können.
Ein paar Tage später saß er zur allgemeinen Erleichterung wieder auf der Fensterbank.
Was für ein Kater. Er ist jung, jugendlich verspielt und (hyper)aktiv, ohne jede Menschenscheu (das hört sich hier langsam an wie bei Tiere suchen ein Zuhause im WDR); er muss jedem Geräusch auf den Grund gehen und rotiert hundegleich, bevor er seine präferierte Schlafposition gefunden hat.
Wieso wir ihn letztendlich Joseph nannten weiß ich gar nicht mehr. Seinen wahren Namen wollte er uns nicht verraten und Hey! bzw. Pfeifgeräusche sind auch keine Dauerlösung. Mittlerweile bilden wir uns ein, er würde auf Joseph hören, doch eigentlich könnten wir auch jeden beliebigen Namen rufen. K. träumte jüngst er würde Nico heißen und bei einer älteren Dame wohnen.
Seit unserer ersten Begegnung ist nun ein guter Monat vergangen. Wir sind eher unfreiwillig wieder zu Teilzeitkatzenbesitzern geworden. Joseph kommt und geht nach eigenem Ermessen. Mal ist er für mehrere Tage verschwunden, mal kommt er zweimal täglich um es sich auf der Couch für ein gepflegtes Nickerchen bequem zu machen.