Ich war in einem Hallenbad und fand die Rutsche nicht, obwohl ich jede Tür öffnete. Sauer wie ich war stieg ich in den Zug, der zum Glück direkt in den Umkleideräumen hielt. Als ich mich setzte lief die Zeit irgendwie rückwärts*, so dass ich erst die Reaktion der Fahrgäste hörte und dann das, worauf sie reagierten: Meine Flucherei.
Die ältere Frau neben mir machte sich die ganze Zeit über Notizen. Dass das Hallenbad keine Rutsche hatte empfand sie als persönliche Beleidigung, doch sie würde die Anklagepunkte gegen mich fallenlassen, wenn ich sie heiraten würde.
Ich sagte zu, floh dann aber doch.
8. February 2010

Rauchend saß ich in der Küche und dachte wie immer an viel Böses, als das Schicksal eine neue Seite im Münster-Drehbuch aufschlug.
Auf einmal war er da. Nassgeregnet saß er auf der Fensterbank, die sonst den Dohlen vorbehalten ist, und bat um Einlass. Sich seiner eigenen Reize durchaus bewusst, drückte er die Pfoten von außen an die Scheibe, maunzte leise, wir MUSSTEN in rein lassen, es war alternativlos.
Er schaute sich um, inspizierte die Wohnung, steckte seine Arme in die Löcher der Badezimmertür und entschied sich dann wie selbstverständlich für ein kleines Schläfchen auf dem roten Teppich. Als ob es nie etwas anderes gegeben hätte.
Eine Stunde später ließen wir ihn wieder hinaus in die Nacht. Das Radio spielte melancholisch-leichte Gitarrenmusik. Hollywood hätte den Moment des Abschieds schmalziger nicht inszenieren können.
Ein paar Tage später saß er zur allgemeinen Erleichterung wieder auf der Fensterbank.
Was für ein Kater. Er ist jung, jugendlich verspielt und (hyper)aktiv, ohne jede Menschenscheu (das hört sich hier langsam an wie bei Tiere suchen ein Zuhause im WDR); er muss jedem Geräusch auf den Grund gehen und rotiert hundegleich, bevor er seine präferierte Schlafposition gefunden hat.
Wieso wir ihn letztendlich Joseph nannten weiß ich gar nicht mehr. Seinen wahren Namen wollte er uns nicht verraten und Hey! bzw. Pfeifgeräusche sind auch keine Dauerlösung. Mittlerweile bilden wir uns ein, er würde auf Joseph hören, doch eigentlich könnten wir auch jeden beliebigen Namen rufen. K. träumte jüngst er würde Nico heißen und bei einer älteren Dame wohnen.
Seit unserer ersten Begegnung ist nun ein guter Monat vergangen. Wir sind eher unfreiwillig wieder zu Teilzeitkatzenbesitzern geworden. Joseph kommt und geht nach eigenem Ermessen. Mal ist er für mehrere Tage verschwunden, mal kommt er zweimal täglich um es sich auf der Couch für ein gepflegtes Nickerchen bequem zu machen.

10. August 2009
F. selbst hatte, so unglaubwürdig das auch klingen mag, den Brand seiner Haarpracht zunächst gar nicht richtig mitbekommen. Woran er sich viel deutlicher erinnerte, war die Hektik, die plötzlich um ihn herum ausbrach, das laute Knallen von auf den Boden fallenden Küchenstühlen, die weit aufgerissenen Augen seiner Mutter, das sirenenähnliche Geschrei seiner Schwester und die zusammengerollte, immer wieder auf seinen brennenden Kopf niedergehende Zeitung seines Vaters.
20. October 2008

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5. July 2008